hostingerNach langer Zeit mal wieder ein kleiner Praxistest mit einem Freehoster, bzw. dem kostenfreien Hostingangebot von Hostinger.de, unter besonderen Berücksichtigung der Lauffähigkeit einer Piwigo Installation. Früher habe ich das öfter gemacht, wobei mir aber nur wenige Anbieter positiv im Gedächtniss verblieben, herausragend dabei bplaced.net und phpfriends.de.
Meine Vergleichsbasis ist ein von mir genutztes webspace Paket von all-inkl.com. Ich bin seit über 10 Jahren bei all-inkl und ausgesprochen zufrieden mit dem Angebot, hohe Verfügbarkeit, robuste Systeme und falls man ihn tatsächlich mal benötigt, ein Spitzen Service und Support!
Hinsichtlich Support kann natürlich kein freehosting Angebot konkurrieren, zumindest nicht wenn es um zeitnahe Problemlösungen am Telefon (kostenfrei 24/7) geht. Hat natürlich seinen Preis (bei all-inkl ab privatplus/100€ Jahr).

Freehoster sind in der Regel mehr oder weniger stark eingeschränkt, meist hinsichtlich Größe des Webspaces, Transfervolumen und Rechenzeit/Ram für die Anwendung. Manche Einschränkungen sind lästig und können nerven, manche fallen vielleicht gar nicht auf, andere wiederum können einem den Betrieb gänzlich vermiesen. Aber da muss jeder für sich selbst seine eigenen Prioritäten finden, was er akzeptieren kann und was nicht.

Anmeldung bei hostinger.de ist schnell erledigt und schon kann man sich an den farbigen Buttons des cPanel erfreuen. Mir persönlich jetzt ein bisschen zu bunt und Buttonlastig, aber man findet sich schnell zurecht. Das cpanel bietet unter dem Menüpunk  Website mehr oder weniger hilfreiche Tools an um dem Benutzer die Arbeit zu erleichtern, darunter auch ein Installer mit den gängigsten bekannten Webanwendungen, inkl. Piwigo. Lustigerweise enthält der Installer auch Programme, die laut AGB gar nicht benutzt werden dürfen.

Aber zuerst mal ein paar wichtige Werte:

  • PHP: 5.5.18
  • MySQL: 5.1.67
  • Grafikbibliothek: GD bundled (2.1.0 compatible)

Schade, das als Grafikbibliothek nicht ImageMagick installiert ist, man kann den Unterschied in der Bildqualität (besonders bei der Einbindung von Wasserzeichen) zwischen GD und ImageMagick nämlich erkennen.

Aus alter Gewohnheit heraus installierte ich damit erst einmal WordPress, dann Piwigo, keine Probleme, der Installer funktioniert.  Danach installiere ich Piwigo mit dem Piwigo eigenen Netinstall Script, läuft ebenfalls sauber durch und zum Abschluss noch die klassische Variante, zu Fuß per FTP. Alle Methoden führten zu einer funktionierenden Piwigo Installation mit dem default Theme und ein paar Dutzend testweise hochgeladener Bilder.

Aber ich möchte gerne einen Betrieb unter „Last“ sehen, auch wenn es nur ein kleines, privates System wie meines mit um 1500 Bildern ist. Mein letztes Backup ist nur ein paar Tage alt und ca 800MB gross, da dauert der FTP Upload schon eine Weile. Dafür hat Piwigo den Vorteil, daß es problemlos umzuziehen ist, da normalerweise in der Konfigurationsdatei und mysql Datenbank keine Pfade mit der Domain oder Verzeichnissen der Galerie enthalten sind. Eine WordPress Installation umzuziehen kann da mehr Fallstricke bereithalten. Nach dem Mittagessen mal nach dem Uploadstatus gesehen, uups, Quota erreicht, irgendwo auf der Hälfte meines Pluginverzeichnisses. Das waren jetzt noch keine 500MB. Aber es gibt noch ein anderes Limit,  Zitat aus der Mail des Supports:

Was bedeutet „inode“?
Im Unix Dateisystem ist ein „inode“ eine Datenstruktur, welche ein Objekt im Dateisystem repräsentiert – eine Datei oder ein Verzeichnis.

Um die Leistung unserer Server zu gewährleisten, haben wir ein inode (Datei) Limit von 20000 inodes (Dateien und Verzeichnisse) pro kostenloses Konto, 200000 inodes pro Premium Konto und 400000 inodes pro Business Konto. Wenn ein Konto mehrere hunderttausend Dateien speichert, limitiert dies die Leistung der Festplatte, da jede Datei indexiert werden muss.

Okay, ich lösche meine WordPress Installation, das schafft noch mal Platz und der FTP Upload kann beendet werden. Laut Warnmeldung des Support

Das Konto … hat das inode Limit fast erreicht. Das Konto hat bereits 80% des Limits ausgeschöpft.

Da Piwigo für jedes Bild diverse Zwischengrößen im Cache Verzeichniss anlegt, in Abhängigkeit zur Einstellung in Konfiguration/Bildgrößen, kann die Anzahl der Inodes/Bild locker zwischen 3-10 liegen,. sollte man auf Hostinger.de nur die wirklich nötigen Bildgrößen benutzen.
Das betrifft auch die Thementemplates und Plugins! Manche Plugins kommen locker auf 250-300 Dateien (auch davon abhängig, wieviel Sprachdateien enthalten sind) und ich habe aus Support und Testgründen sehr viele Plugins installiert.

Das mit den Inodes hat mich ein bisschen überrascht, bei bplaced gab es zwar auch eine Begrenzung auf 2GB, aber da war es kein Problem Piwigo, WordPress, Coppermine, Pixelpost zusammen auf einem Paket zu installieren, also keine spürbare Einschränkung bei den Inodes.
Bei entsprechender Datensparsamkeit (Löschen unnötiger Plugins/Themes/Bildgrößen) liessen sich bei mir sicher  ein paar 1000 Inodes einsparen, übersetzt in die Anzahl möglicher Bilder sehe ich da bei ca 5000 Bilder die Grenze die eine Piwigo Installation auf diesem Angebot haben könnte.

Cache Verzeichniss gelöscht und per Diashow (die ich normalerweise nicht aktiv habe) alle Bilder angesehen, dabei wird dann die Generierung der Default Betrachtungsbildgröße erzwungen. Führte in Abständen zwischen 30-100 Bildern zu einem Error, was bei einer max. Ausführungszeit von 30sek (max_execution_time) jetzt nicht wirklich verwundert, die hatte ich bei all-inkl (oder auch anderen Anbietern mit dieser max_execution_time) auch. Mal davon abgesehen, daß der Abbruch bei all-inkl ziemlich zuverlässig zwischen Bild 90-100 auftrat und hier die Schwankungsbreite zwischen Bild 20-100 liegt, was doch eine ziemlich große Spannweite und mir durch die max_execution_time alleine nicht erklärbar ist.
Als Grafik Lib GD bedeutet auch, das es Grenzen gibt, was die verarbeitbare Bildgröße betrifft (Bildgröße, nicht Dateigröße!).  Glücklicherweise ist als memory_limit 128M eingetragen, damit lassen sich auch noch die Bilder einer EOS 5DII (also gute 20MP) problemlos verarbeiten (Zwischengrößen und Thumbnail Generierung). Die Dateigröße von ca 20MB wurde beim Testbild auch klaglos akzeptiert.  Bei vielen Hostern liegt das memory_limit noch bei 64 MB, da wird es schon schwierig mit Bilder ab 8/10 Megapixel Größe.

Nun, wie sieht es im praktischen Betrieb aus?  Laut Pingdom Tools liegt die Seite im Mittelfeld, Schwankungen zwischen 0.8-3 Sekunden beim erstmaligen  Aufruf der Startseite, je nach Uhrzeit, damit kann man leben. Ist man auf der Seite, als Besucher, geht es dann flott voran, da kann ich jetzt keinen Unterschied zu meiner Seite auf all-inkl feststellen.

Nun ein paar Lästigkeiten, die mich von einer Empfehlung dann doch ein bisschen Abstand nehmen lassen. Manch einer benutzt ja die Diashow und nachdem alle Bilder für den Cache generiert wurden, erwartet man da ja eigentlich ein sauberes Durchlaufen … ist aber nicht! In unkalkulierbaren Abständen, mal nach 30 Bildern oder auch (bei 160 Bildern) mal gar nicht, bricht die Diashow mit einer freundlichen Fehlermeldung ab

Fehler 324 (net::ERR_EMPTY_RESPONSE): Server hat die Verbindung geschlossen. Es wurden keine Daten gesendet.

HÄ? Kann ich jetzt nichts mit anfangen, wird einen unbedarften Besucher aber sicher verunsichern. Da sucht man doch mal im WWW nach Erfahrungen mit Hostinger.de und wird auch schnell fündig. Es gibt unter Anderem ein CPU Limit (was für obiges Problem nicht verantwortlich ist), wird dieses erreicht, wird die Seite für 24 Stunden gesperrt. Wie man dieses Limit für sich, pi mal Daumen, selber errechnen könnte, Glaskugel reiben? Zumindest dieser Foreneintrag stimmt da bedenklich:

Habe ein Smf Forum aufgesetzt
bei einer besucherzahl von 26 leuten Cpu limit überschritten

Ich kenne nicht den Ressourcenhunger von SMF, aber es gibt auch Beschwerden von Benutzern mit klassischen statischen HTML Seiten. Über überraschend erscheinende 500er Fehlerseiten lassen sich auch genug Klagen finden und die beliebteste Antwort des Supports, man möge doch auf das kostenpflichtige Premium oder Business aufsteigen, da es dort diese Einschränkungen nicht gibt, empfinde ich jetzt auch nicht als wirklich überzeugend hinsichtlich der Motivation, daran viel zu ändern

Ein typisches „mal spielen“ Angebot, was für Jugendliche und Schüler mit knappen Etat, denen es nichts ausmacht, wenn ihre Seite mal nicht erreichbar/ansprechbar ist.Auch nicht schlecht um mal was auszuprobieren ohne gleich irgendwas am Hauptsystem zu schrotten. Aber für eine Galerie mit der man Bilder im WWW darstellen möchte, mit einer gewissen Ernsthaftigkeit? Da mag ich es zumindest einfach ein bisschen robuster!

Ob es sich wirklich lohnt, auch wenn man nach paid hosting schielt, ein möglichst preiswertes Paket eines Billiganbieters zu nehmen, sollte man sich ernsthaft überlegen. Die realen Unterschiede betragen im JAHR vielleicht 20-30€ auf der einen Seite, auf der anderen Seite hat man dafür aber eine hohe uptime, wenig Probleme und falls doch, kompetenten und kooperativen Service.

PS 3. März 2015

Die Zugriffsgeschwindigkeit ist manchmal unterirdisch! Minutenlanger Aufbau bis die Startseite der Galerie steht, Arbeiten im Adminmodus ebenfalls kaum möglich und besonders ärgerlich, bei längeren FTP Aktionen bricht einfach die Verbindung ab.
Da bedarf es schon einiges an Leidensfähigkeit um dran zu bleiben.

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