Billigobjektiv an 5D Vollformat

Da hatte ich mal wieder meiner Neigung nachgegeben, ein billiges (um 100,-€) „Suppenzoom“ am nicht ganz so billigen Body der EOS 5DII als Alltags Objektiv zu benutzen. An der 5DI hatten das Tamron SP AF 24-135mm F/3,5-5,6 und SP AF 20-40mm F/2.7-3.5 diese Rolle zu meiner Zufriedenheit, nämlich besser als erwartet, ausgefüllt.
Das Tamron 24-135 wechselte gemeinsam mit der 5DI zum neuen Besitzer, das 20-40 verkaufte ich (leider) und decke seitdem den UWW Bereich mit dem Sigma AF 15-30/3,5-4,5 EX DG IF ab. Obwohl das Sigma 15-30 hinsichtlich Bildqualität besser als das Tamron 20-40 ist, von der signifikanten Erweiterung in den UWW Bereich hinein ganz zu schweigen, bedauere ich den Wechsel ein bisschen, das Tamron 20-40 war für mich alltagstauglicher. Egal, ist hier jetzt nicht das Thema.

Eines muss einem klar sein, ein billiges 8x Zoom, das im problematischen Weitwinkel Bereich ab 24mm anstatt 28mm beginnt und bei 200mm im Telebereich endet, wird eine Menge Probleme hinsichtlich der erreichbaren Bildqualität haben, besonders auffällig im Weitwinkelbereich.

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Auch das Edelzoom von Canon mit ähnlicher extremer (11x Zoom)  Brennweitenabdeckung, das Canon EF 28-300mm f/3.5-5.6L IS USM (um 2500,-€), ist hinsichtlich seiner Bildqualität, absolut betrachtet, einem aktuellen Canon EF-S 18-55mm 1:3.5-5.6 IS II  (APS-C, 100,-€)) nicht überlegen, dafür hat es andere Qualitäten, die jetzt z.B. im Reise und Reportagebereich deutlich wichtiger sind, als das Potential Bilder im Poster Format zu generieren.

Den gleichen Ansatz habe ich auch bei meinen „Suppenzooms“. Ich benutze die 100% Ansicht zwar generell bei Vergleichen, für die praktische Anwendung zählen für mich aber die geplanten Ausgabeformate, da relativiert sich Einiges. Auf die Ausgabegröße einer 5DI (12MP) oder 20D (8MP) runter skaliert, werden all die technischen Mängel und Schwächen, die in der 100% Ansicht unübersehbar sind, mehr oder weniger deutlich verringert. Auch das für mich typische Verwackeln bei Verschlußzeiten, die Andere noch problemlos ruhig halten können, verliert dadurch beträchtlich an Schrecken.
Wobei, nebenbei erwähnt, nicht nur mir die Qualität einer 20D auch schon für Posterformate ausgereicht hat. Es gibt Gerüchte, daß in der digitalen Steinzeit sogar schon die 4MP einer 1D oder 6MP einer 10D, für Formate jenseits der Postkartengröße benutzt wurden.

Für Fotobücher und Ausbelichtungen bis hin zum 30*45 Format genügen mir also meist passabel aussehende 8MP, sozusagen 20D Niveau.  Wenn man Motivisch die Möglichkeit hat, das Objektiv im Bereich der kritischen Blende oder darüber zu betreiben, dann darf es auch ein bisschen größer sein. Mehr verlange ich gar nicht für meine „Immer dabei“ Kombination.

Der erste, optische, Eindruck ist gut, ein typisches Tokina, solide und robust gebaut (690g), haptisch auf dem Niveau der Canon L Objektive die ich bisher in der Hand hatte. Der AF ist, obwohl nur ein Mikromotor, verblüffend flott und treffsicher ohne sich dabei wie eine Kreissäge anzuhören (wie ich es von div. EF Objektiven mit Mikromotor kenne). Natürlich nicht so schnell wie ein USM AF, aber in der gleichen Liga wie das EF 1.8/50 oder Tamron 28-75/2.8 und damit für den geplanten Einsatzbereich schnell genug.
Interessant für Video Anwendungen, das Objektiv ist Parfokal, weniger schön dabei, manuelles Scharf stellen ist wegen des sehr kurzen Einstellweges problematisch.  Wenn die optischen Qualitäten den Mechanischen entsprächen … tun sie aber nicht!

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Offenblende bei 24mm, das hat nichtmal Handy Niveau, Randabschattung, matschige Ränder, allenfalls für „dokumentarische“ Zwecke nutzbar. Abgeblendet sieht es schon besser aus, dafür kann man bei dieser Lichtsituation kontrastmindernde Flares sehen (mitte links), aber nicht generell schlecht, wie das Eingangsbild mit dem Haus zeigt.
Am langen Ende sieht es ein bisschen besser aus, sogar in Originalgröße.

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Dafür, daß das Motiv im Bereich der Naheinstellgrenze liegt, ist selbst die Offenblende Version, nach entsprechender Skalierung, noch gut im Fotobuch handelsüblicher Größe nutzbar. Da ich gerne längere Brennweiten für Portraits benutze, musste ich die Tauglichkeit in der Hinsicht auch ausprobieren.

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Auch hier wieder, die Bildqualität haut einen nicht vom Hocker (wobei wahre Schönheit durch nichts zu entstellen ist, danke Wolfgang), das liegt jetzt auf dem Niveau eines Tamron 28-105  bei Blende 4 … und reicht somit für die meisten Anwendungen vollständig aus.

Was mich aber wirklich überraschte, waren die Ergebnisse mit einer Makro Linse. In diesem Falle dem Sony VCL-M3367, einem  +5 Dioptrin Achromaten, der mit einem entsprechenden Adapterring von 67mm auf 72mm auch auf das Filtergewinde des Tokina passte.

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Das liegt jetzt nicht auf dem Niveau eines echten Makro Objektives, ist aber akzeptabel und wer würde auf einer 40*60 cm Ausbelichtung den Unterschied noch erkennen? Wobei man auch nie ausser Acht lassen sollte, daß die nachträgliche Bildbgearbeitung nicht unwesentlich für das erzielbare Ergebnis ist.

„you get what you paid for“ stimmt natürlich auch für dieses Objektiv. Mit offener Blende ist es eigentlich bei keiner Brennweite nutzbar, zumindest nicht in der 100% Ansicht. Darüberhinaus ist es Streulicht empfindlich und hat einen Hang zu Kontrast mindernden Flares und kann unübersehbare Überstahlungen (Glühen) an harten Kontrastkanten produzieren. Aber man kann damit auch schöne Bilder machen.
In meine „immer dabei“ Fototasche passt nun mal nur ein Body mit einem Objektiv (mehr will ich da auch nicht) und da empfinde ich, wobei mir die Nachteile hinsichtlich der Bildqualität sehr bewusst sind, diese 100,-€ Lösung für den Brennweitenbereich 24-200mm als „perfekt“.  Natürlich wäre ein Canon EF 24-105mm f/4L IS USM viel besser, es spielt aber preislich, auch gebraucht, in einer ganz anderen Liga und zwischen 105mm zu 200mm Brennweite gibt es auch noch einen kleinen Unterschied. Für einen eingeschränkteren Brennweitenbereich bin ich ausserdem schon gut genug versorgt, wenn man schon ein 28-75/2.8 hat, fällt es schwer noch ein teures 24-105 zu legitimieren, wobei aber ein billiges 24-200 immer noch irgendwie „durchrutschen“ kann.

(wer seine Objektive über die Portokasse finanzieren kann und dessen qualitativer Anspruch zwingend höchste Leistung bei der 100% Pixel Peep Show am Monitor verlangt, darf diesen Artikel jetzt wider getrost vergessen)

ps: wer es nicht bemerkt haben sollte, die Bilder hier sind alle in Originalgröße, man muss also nur (so das Bild in der shadowbox geladen ist) mit der linken Maustaste das Eigenschaften Menü seines Browsers aufrufen und dort auf „Grafik anzeigen“ klicken und schon ist da die Lupe zum reinzoomen.

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