Für Sigma eher ungewöhnlich flott, der Abstand zwischen Ankündigung (Photokina, März 2010) und realer Verfügbarkeit auf dem Markt. Laut dpreview soll die SD1 im Juni für einen Einstandspreis von $9,700 erhältlich sein, in Deutschland soll der Preis, Verfügbarkeit ebenfalls im Juni, bei 7499€ liegen. Grundtenor der Resonanz im Web:

This isn’t a camera, it’s a suicide note.

Der saftige Preis wird von Sigma durch eine Bildqualität ähnlich einer Mittelformatkamera gerechtfertigt. Nun, das läßt sich inzwischen auch verifizieren (oder eben auch nicht), dankenswerterweise gibt es inzwischen Beispielbilder von Sigma direkt.

Es ist immer wieder ein Genuss, Bilder eines Foveon zu sehen und natürlich ist das Gezeigte beeindruckend für eine Kamera im APS Format. Der Vergleich zu einer Mittelformatkamera ala Pentax 645D (um die 10.000€ der preiswerteste Einstieg in Mittelformat) erscheint dann aber doch ein bisschen mutig, besonders wenn man sich mal einige deren Beispielbilder ansieht.

Es ist natürlich verführerisch, für das Marketing, die 3 Layer eines Foveon per Multiplikation direkt gegen den üblichen Bayer Sensor aufzurechnen. Wie gut das funktioniert zeigten schon erste panische Fragen in Foren, ob den nun Objektive diese 46 Megapixel überhaupt noch auflösen können. Nun, da die Layer hintereinander liegen sind es, für Objektive, „nur“ 15,4 Megapixel. Immer noch ein Wert der nach hochwertigem Glas schreit, wenn man ihn wirklich umsetzen will.

Das der Foveon, bei Grundempfindlichkeit, Bayer Sensoren mit gleicher Pixelzahl kläglich aussehen lassen konnte und man schon kräftig draufpacken musste, ist ja nichts neues. Das der „alte“ Foveon mit ca 4,7 MP (pro Layer) mit einer APS Kamera mit 8 oder 10 Megapixel mithalten konnte, habe nicht nur ich (durch hoch und runter skalieren von Bildern) festgestellt. Aber gegen eine EOS 5DI mit 12MP, nach Marketingspeech von Sigma pixelmäßig unterlegen, hat das schon nicht mehr funktioniert. Und dann gibt es noch das kleine Problem, daß die fotografische Welt nicht nur aus Motiven besteht, bei denen die Grundempfindlichkeit ausreicht.

Es ist beeindruckend, für eine Kamera im APS Format, was die SD1 zeigt und rein von der Bildqualität ist es auch ein Angriff auf die Königsklasse der KB Boliden. Dazu noch ein abgedichtetes robustes Gehäuse, ein moderner AF und die Serienbildgeschwindigkeit ist auch ok.
Das eine EOS 5D1 (Nikon 700D), oder einfach alles was sich im APS Sektor rum treibt, jetzt ein bisschen blass aussieht wundert nicht, aber wie sieht es bei/ab ISO 800 aus? Selbst wenn die SD1 „nur“ soviel kosten würde wie eine 5DII, wird der Markt hinsichtlich Rausch und Farbinterpretation wohl schon ein bisschen mehr erwarten, als die Vorgänger brachten. Schließlich hat der Foveon ein paar systembedingte Nachteile.
Hab ich da jetzt aber wirklich kein Bild mit ISO 400/800 gesehen? Wenn man schon 6400 in den Specs hat, sollte doch ein beeindruckendes ISO 800 Bild bei kritischen Lichtverhältnissen schon drin sein?

Für den Preis einer aktuellen „Profi“Kamera erwarte ich auch entsprechende Werte und Features, dazu passen u.A. nicht:
Kein Top-Statusdisplay.
Display mit 460000 Dots
Suchervergrösserungsabdeckung keine 100%
Nur 5 Bilder pro Sekunde sind, aus meiner Sicht, eigentlich ok, aber ein Buffer für nur 7 RAWs deffinitv nicht.
(das liegt unter dem Nieveau einer Eos 20D)
Kein Live-View
Keine auswechselbare Mattscheibe
11 Kreuzsensoren im AF
(Canon/Nikon in der anvisierten Preisklasse haben 45/51)
Verschluß auf 100.000 Auslösungen ausgelegt, in der Profiklasse sind 300.000 üblich

Ein paar Impressionen wie die Deutschsprachige Forenwelt darauf reagiert, besonders auf die Preisgestaltung, sind z.B. hier bei Photoscala, DSLR-Forum (1, 2) und Digitalfototreff. Und zum Abschluß noch die kurze Einlassung des bekennenden Sigma Fans Carl Rytterfalk und die Kommentare dazu. Viel Platz auch für Fanboys, sehr enttäuschte Fanboys!

Im Endeffekt wird der Erfolg vom Strassenpreis abhängig sein! Die Meisten würden bei dem momentan avisierten Preis wohl eher zur Canon 1DsMarkIII oder Nikon 3DS greifen, die versprechen nicht nur „Profi“tauglichkeit, die haben sie auch. Selbst eine Leica M9, für diejenigen die eine ganz andere Art der Fotografie pflegen, wäre bei dem Preis drin.

Für um 1500-2000€ wäre die Kamera ein Killer, ein Hai im Swimmingpool, aber so?
Wobei die Preise sich, schon vor dem offiziellen Verkaufsstart, anfangen der Realität anzupassen:
SD1 + 24-70mm F2.8 EX DG HSM & 70-200mm F2.8 EX DG HSM Kit Price: $8,649.00 MSRP
auf sigmaphoto.com ist auch schon ein bißchen weg von $9700 Body only.