Ein eigener Server auf dem heimischen PC? Brauch man so etwas und ist das nicht fürchterlich kompliziert? Ja, ja und nochmal ja und irgendwie auch nein. Bei (web)Server auf dem heimischen PC denkt man, wenn man zufälligerweise in einer Zeitschrift oder im WWW schon mal was von dem Thema mitbekommen hat, zuallererst einmal an etwas Großes, Bekanntes, einen full featured Server wie z.B. den Apache HTTP Server, der auch von der Mehrheit der Internetprovider benutzt wird.

Tolles Teil, alles drin, Konfiguration über viele Textdateien in diversen Verzeichnissen. Ja, es sieht kompliziert aus, aber das Problem ist ein Anderes. Textdateien sind ideal für Tippfehler und in einer 30 Kilobyte großen Textdatei die Stelle zu finden, in der man anstatt eines „,“ einen „.“ gesetzt hat, das ist nicht lustig.

Ich gehöre zwar zur Generation derer, die mit DOS 2.11 angefangen haben und mit Begeisterung kilobytegroße, verschachtelte Batchdateien geschrieben haben, damals. Ist aber schon ein bisschen länger her und heute in textbasierenden Konfigurationsdateien zu wühlen begeistert mich überhaupt nicht mehr. Die Konfiguration eines Apache Servers mit Internetzugriff auf dem heimischen PC ist nicht frei von Risiken, kleine Fehler bei der Installation und man hat ein Sicherheitsleck in der Größe des Marianengraben im System. Dann tummeln sich nicht nur die NSA und ihre Kollegen auf dem Rechner, sondern normale Kriminelle und pupertierende Skriptkiddies drücken sich gegenseitig die Klinke in die Hand, muß jetzt nicht sein.

Für meine Zwecke, den schnellen Direktaustausch beliebiger Dateien, also nichts was morgen noch irgendwo in der Cloud oder Dropbox, oder wo auch immer, wiederfindbar sein muß, darf es ein paar Nummern kleiner sein. Email ist doch auch eine Möglichkeit, könnte als spontane Antwort zu dem Problem kommen. Funktioniert aber auch nicht immer. Ich habe inzwischen schon mehrmals zu hören bekommen, daß große RAW Dateien die man mir schicken wollte, das Limit des(ihren) Email Provider überschreiten würden und dann muß wieder die Cloud, Dropbox, Skydrive oder was in der Art her. Abgesehen davon, daß es auch Daten gibt, die man ungern über Email versenden oder unbeaufsichtigt auf gemietetem Webspace zwischenlagern möchte.
Aber deswegen Apache installieren? Wegen der paar Brötchen, die ich mir manchmal beim dörflichen Bäcker hole, nehme ich ja auch nur das Fahrrad und stelle mir keinen Tieflader auf den Hof. Also Finger weg von Apache, wenn man sich nicht ernsthaft und längerfristig mit diesem Thema generell beschäftigen will (ich will es nicht mehr).

Gefunden habe ich den HFS ~ Http File Server. Der hatt jetzt vieles nicht, was ein ausgewachsener Server so alles hat, kein CGI, kein PHP, kein Mail, eigentlich nur eine Schnittstelle die Html versteht. Wobei für den Datenaustausch das alles auch gar nicht benötigt wird, selbst die Fähigkeit HTML anzuzeigen, ist nur eine nette Beigabe für Spielkinder.

Installation ist … was für eine Installation eigentlich? Eine ausführbare Datei die man in ein Verzeichniss der eigenen Wahl reinkopiert und dann noch eine Verknüpfung auf dem Desktop, das wars dann auch schon. Beim ersten Start noch die Freigabe im Firewall fürs Web und dann kann man schon beliebige Dateien in das virtuelle Dateisystem ziehen über das die Aktionen gemanagt werden. Die temporäre IP, unter der man aus dem WWW erreicht werden kann, erfährt man dann über ein Klick auf „self test“ und schon kann es losgehen.
Da Besucher den DSL Rückkanal verwenden, liegt die Datenübertragungsrate für diese bei ca 2KBit (DSL 2000), wenn man selber einen DSL 16000 Anschluß hat. Das reicht auch noch zum „streamen“ einer Videodatei, wenn man das unbedingt machen möchte.

Natürlich kann auch dieser Mini Server mehr, als man benötigt. In der ausführlichen Dokumentation wird ausführlich auf die Konfiguration eingegangen, die Gruppen/Benutzerverwaltung sollte man sich vielleicht als Erstes ansehen, wenn man den Zugriff über Benutzer und Passwörter  regeln und einschränken möchte.

Nur ein kleines Spielzeug, die Wenigsten werden es benötigen. Aber mal auf die Schnelle eine Datei vom heimischen PC (oder Laptop) einem Anderen unproblematisch und ohne Umweg über Dritte zur Verfügung zu stellen, ich hätte sowas schon öfter gut gebrauchen können, dafür ist es perfekt.
Da es „portabel“ ist, also keine Installation/Deinstallation benötigt und gerade mal 800KB groß ist, fällt es bei mir in die Sparte „frisst kein Brot“ und kommt in das Verzeichnis mit den nützlicher Tools.

So sieht es aus, auf dem heimischen Desktop und aus der Sicht des Browsers

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und noch eine deutsche Installationsanleitung:  File-Sharing leicht gemacht: HFS