Gleich zu Beginn! Der Vergleich wird, nicht nur weil er subjektiv ist, in mehrfacher Hinsicht unfair sein, mehr dazu später.

PicDrop, in der Selbstdarstellung:

Bildübertragung für Profifotografen
PicDrop ist der schnellste Weg, Bilder an Kunden zu senden. Einfach Fotos hochladen und schon können Kunden in der automatisch erstellten Galerie Highres-Bilddaten und ZIPs herunterladen, Bilder auswählen, bewerten und kommentieren und vieles mehr. Das alles passiert in Echtzeit, hoch flexibel und bei Bedarf auf Deiner eigenen Website. So bekommt jeder Deiner Kunden exakt das, was er benötigt – und Du sparst Zeit und Geld.
Denn PicDrop bietet Dir…

Gehen wir das jetzt mal Punkt für Punkt durch, zum Vergleich und als Messlatte die GPL Galerie Piwigo, zu der es (ala WordPress) ebenfalls einen kostenpflichtigen Hostingservice gibt.

Picdrop Piwigo
 Drag&Drop-Upload  Browser Upload, Dateimanager
 Flexible Galerien  ja
 Bildkommentare  ja
 Highres- und ZIP-Downloads  ja (Plugin)
 Bildauswahlen erstellen  ja (deutlich mehr Optionen)
 Live-Galerien  ja
 Unsichtbar für Deine Kunden  unnötig
 Einfache Bedienung und Verwaltung  Kunden: JA ; Administrator : äh,jein
 Einfache Uploads direkt aus Lightroom  ja (Plugin)
 Keine Limits  Größe des Webspace Paketes
 Mobile- und Retina-Ansicht  ja (Template)
 In Lightroom filtern  Nein
 Uploads durch Dritte  Ja (nativ+Plugin, mehr Optionen)
 Benachrichtigungen  Ja (nativ+Plugins, mehr Optionen)
 Live-Markierungen  ja
 Unterschiedlichste Dateiformate  Nein (nur über Umwege)
 Casting und Location-Scouting  Ja
 Downloads verhindern  Ja
 100% Ökostrom  abhängig vom gewählten Hoster
 Deutscher Datenschutz  abhängig vom gewählten Hoster

Die Features von PicDrop sind eine Untermenge dessen, was mit PIWIGO (und vielen anderen Galleriescripten) realisierbar ist, mit einigen Einschränkungen bei Punkten, deren Relevanz jeder für sich selbst werten muss.

Untermenge, weil z.B. das Kommentarsystem in Piwigo optisch gefälliger ist, mit Plugins aufrüstbar bis hin zu threaded Comments und wysywig Editor. Untermenge, weil z.B. die Möglichkeiten der Strukturierung und Generierung von unterschiedlichen Sichten, auch temporär für Besucher/Kunden bei Piwigo nach deutlich mehr Kriterien möglich ist. Wobei die Möglichkeiten die ein Benutzer/Kunde hat, über die Benutzer und Gruppenverwaltung sehr fein eingestellt werden können.
Und natürlich sind Dinge wie social buttons (Einbindung in Facebook, google+, twitter, flickr, tumblr, etc) bei den größeren Galeriescripten als Plugins auch schon länger üblich. Was das Aussehen betrifft, Schwamm drüber, je nach benutztem Galeriescript geht das Angebot an Vorlagen in den mehrstelligen Bereich, da ist für jede Geschmacksverirrung was drin, Einbindung eines eigenen Logos eine Trivialität, dass es keiner Erwähnung wert ist.

Natürlich bin ich voreingenommen, besonders nach der Betrachtung des euphorischen Videos von Alexander Heinrichs, in dem Features, die selbst bei kleinen Galeriescripten schon vor 10 Jahren Usus waren (Upload, Kommentar und Ratingsystem, live Darstellung jeder Änderung z.B.) als fast schon revolutionär gepriesen werden. Ja klar, im Vergleich mit Picasa(web) stimmt das ganz sicher. Wenn Picasa(web) von einem Berufsfotografen tatsächlich zur Kommunikation mit Kunden benutzt wird, ist das für mich schon fast was fürs Fremdschämen.

Und natürlich ist mein Vergleich noch aus anderen Gründen unfair!

Ich vergleiche einerseits ein unter GPL nutzbares, kostenfreies Galeriescript mit einem, jenseits eines arg eingeschränkten FREE Accounts, kostenpflichtigen gewerblichen Bilderhoster, dessen Leistungsumfang auf die Bedürfnisse einer bestimmten, gewerblichen Nutzergruppe abgestimmt ist. Natürlich habe ich, selbst wenn ich die Kosten meines all-inkl Premium Paketes mit dem PicDrop Pro vergleiche immer noch die Nase vorn, mehr Speicherplatz. Die Anzahl der Galerien, Benutzer und Mitarbeiter Accounts (PicDrop Agentur) sind dabei selbst beim kleinsten Webhostingpaket nur durch den Speicherplatz und die Phantasie eingeschränkt … und nebenbei kann man auf eigenem Webspace auch noch andere Dienste (Blog z.B.) laufen lassen.
Wer da, bei unkritischer Sichtweise, im Preis/Leistungsverhältnis die Nase vorn hat, ist klar.
Darüber hinaus habe ich die Sicht eines erfahrenen Galerie Administrators (ich benutze Galeriescripte, nicht nur Piwigo, schon sehr lange), aus dessen Sicht einige der gepriesenen Features eher als Einschränkungen hinsichtlich des Gewohnten empfunden werden … und das ist dann auch der Knackpunkt!

Ich kam nämlich durch eine Besprechung in einem meiner Stammforen zu PicDrop und da äußerte sich einer der Semipros positiv über das Angebot und er hat natürlich, aus seiner Sicht, recht.  Gegen Piwigo spricht nämlich, man muss sich einarbeiten! Die Installation ist dabei das kleinste Problem, aber die Konfiguration des Systems, die Einbindung und Konfiguration der Plugins, das Testen ob alles wunschgemäß funktioniert. Auch für einen erfahrenen Piwigo Administrator eine Wochenendsbeschäftigung, ein Zeitaufwand der Netto im Bereich von 10-20 Stunden liegen kann, sollte, muss man als Kostenfaktor betrachten. Hängt auch damit zusammen, daß die (deutschsprachige) Dokumentation schwach ist.
Darüber hinaus liegen Backups im eigenen Verantwortungsbereich, das Minimum wäre da schon ein cron job im Tagesrythmus, erfordert weitere Kompetenzen … oder händisch, kostet Zeit.
Updates (Features und Security) können zwar problemlos (wie bei WP) über das Adminfrontend eingespielt werden, aber bei Versionssprüngen mit neuen Features und Änderungen in der Datenbankstruktur besteht dabei auch immer das Risiko, daß ein paar der benutzten Plugins und Templates erst nach Tagen oder Wochen wieder vollumfänglich zur Verfügung stehen. Aktuell betroffen ist z.B. das PayPal Plugin, wer also seine Bilder über Piwigo verkauft, kann erst updaten, wenn das Plugin angepasst wurde. Wobei die Möglichkeit des direkten Bilderverkaufs jetzt aber für einen Vergleich mit PicDrop uninteressant ist, da gibt es in der Hinsicht ja auch (noch?) nichts.

Alternativ gibt es natürlich noch den kommerziellen Piwigo Hostingservice:

Unbegrenzte Fotos, Keine Werbung, Kein Spam, Zuverlässiger Backup,Support per Mail

der mir für 39,-/Jahr relativ günstig erscheint und auch von Fotoagenturen benutzt wird. Aber, kein deutscher Service sondern ein Französischer der bei „ovh systems france“ gehostet wird (PicDump bei Hetzner). Support nur hilfreich wenn man Französisch oder Englisch kann (die meisten Entwickler sind nun mal Franzosen) und, mangels eigener Erfahrungen, habe ich keine Ahnung welche Einschränkungen es da bei den Templates und Plugins geben könnte, da empfehle ich im Vorfeld  den kostenlosen Testaccount (30 Tage) wahrzunehmen.

Meine (geringe) Erfahrungen mit dem PicDrop Support, er ist freundlich und reagiert schnell; auch wenn ich mein Problem dann (den Spam Filter „Reject Unverified Sender“) vor ihnen identifizierte. Nach Relativieren meiner gewohnten Ansprüche fand ich auch gleich ein nur halb durchdachtes Feature, dessen Ausbau sicher Sinn ergeben würde, die Bewertung nach Farben. Man sollte diese für die Generierung einer eigenständigen Auswahl genauso benutzen können, wie man eine Auswahl per Häkchen erstellt. Davon mal abgesehen, das Benutzerinterface würde ich fast als Blondinentauglich bezeichnen, aufgeräumt, leicht verständlich und bedienbar und schnittig sieht es auch aus, also mir gefällt es. Mal sehen was mir die nächsten Wochen noch ein/auffällt.

Conclusio: Ich gehöre nicht zur Zielgruppe, ich fahre nicht ohne Not Taxi, wenn ich es mit dem eigenen Auto erledigen kann. Aber ich kann mir sehr wohl vorstellen, daß es einen Nutzerkreis gibt, dem das Angebot passt und für den auch das Preis/Leistungsverhältnis stimmt.