Piwigo im Vergleich

aus gegebenem Anlass, mit PicDrop.

Piwigo ist eines der großen, ausgereiften Galeriesysteme, einerseits als (kostenfreies GPL) Programmpaket für Galeriebetreiber mit eigenem Webspace (php/mysql) und andererseites als kostenpflichtiger Hostingservice  auf piwico.com, für diejenigen ohne eigene Webpräsenz. Diese Trennung in *.org  und *.com wird z.B. auch von WordPress benutzt um zwischen Hostingservice und GPL Programm zu unterscheiden. Nachdem ich mir den kostenfreien Testaccount des Piwigo Hostingservices zugelegt habe, stand einem Vergleich mit PicDrop nichts mehr im Wege.

Der Kostenunterschied ist beträchtlich, bei Piwigo gibt es keine Staffelung, 3,25€/Monat, bzw. 39€/Jahr stehen bei PicDrop 7,49€ (89,88€/Jahr), 9,99€ (119,88€/Jahr) oder 64,99€ (779,88€/Jahr) entgegen.
Bruttopreise natürlich, Gewerbetreibende dürfen sich das als absetzbare Betriebsausgabe (auch bei Piwigo) kleiner rechnen.

Dafür gibt es bei Piwigo „unbeschränkten“ Speicherplatz und die üblichen Supportmassnahmen wie Backup, Updates und Upgrades und Support per Email. Die technischen Einschränkungen hängen ansonsten von dem ab, was die Galerie an Features anbietet. Die Anzahl an Alben (bei PicDrop Galerien) in einer Galerie, die Anzahl der Bilder, die Anzahl der Benutzer, genauso wie die Anzahl der Administratoren (Mitarbeiter-Account bei PicDrop) ist nur beschränkt durch den vorhandenen Speicherplatz. Die aktuelle Preisgestaltung von PicDrop hinterlässt dazu im Vergleich, bei mir, ein ambivalentes Gefühl.

Aber sehen wir uns das jetzt mal im Detail an, aus der Sicht eines Administrators der sich gerade erstmalig in sein Admin Menü eingeloggt hat. Das von PicDrop ist erfreulich aufgeräumt, aufgeteilt in eine Handvoll Account und Galerie Einstellungen, die ich als Anfängertauglich und ohne weitere Dokumentation bedienbar ansehe.
Piwigo macht es einem nicht so leicht, schon die Aufteilung in „Fotos“, „Alben“, „Benutzer“, „Plugins“, „Werkzeuge“, „Konfiguration“ und „mein Account“ in der obersten Menü Ebene, lässt einen erahnen, da gibt es verdammt viel zum Einstellen. Dazu kommt noch, daß einiges der Funktionalität von PicDrop über Plugins realisiert werden muß. Also zusätzlicher Aufwand mit suchen, konfigurieren und testen. Dazu mal ein Blick auf die möglichen Plugins, einige haben selbsterklärende Namen :

plugins
plugins

Glücklicherweise gibt es zu vielen Konfigurationseinstellungen eine kleine (deutsche) Hilfe im jeweiligen Menübereich. Bei den Plugins sieht es leider nicht so gut aus, dazu kommt dann noch, daß die Hilfe manchmal nur in Englisch und/oder Französisch vorliegt und nein, google translate reicht da leider nicht immer aus. Die Dokumentation kann man getrost als bescheiden bezeichnen und man wird wohl in einigen Fällen das Gleiche machen müssen, wie die Nutzer von Piwigo auf eigenem Webspace, man sieht sich im Supportforum um und wenn die Suchfunktion zu keiner Lösung führt, muss man fragen.
Wer Englisch/Französisch kann, sollte dies bevorzugt im Englischen/Französischen Forum machen. Meine Mail Anfragen an den Support wurden zwar richtig beantwortete (und blieb auch in keinem Spamfilter hängen), aber mit diesem Satz zur Einleitung „I’ll reply in English because my German is really not good enough“. Das mag für manch einen schon das Killerargument gegen diesen Anbieter sein. Es gibt natürlich auch ein deutschsprachiges Forum, aber da nur einige der Programmierer dort regelmäßig vorbei schauen, fällt das eher in den Bereich User helfen User. Da bleiben dann manche Fragen unbeantwortet.

Kurzes Zwischenergebnis:  Hinsichtlich Dokumentation verliert Piwigo deutlich gegen PicDrop, einfach weil PicDrop kaum eine benötigt und die von Piwigo im Vergleich zum Funktionsumfang zu mager ist, Details und Feinheiten im Forum zu suchen sind und oft nur in Englisch vorliegen. Der Support von Piwigo ist möglicherweise kompetenter, nützt nur wenig, wenn man kein Englisch/Französisch kann.

Nehmen wir uns die Tabelle aus dem PicDrop Artikel mal Schritt für Schritt vor. So Selbstverständlichkeiten wie „Live-Galerien“ und „Live-Markierungen“ lassen wir mal weg, das ist nämlich immer Echtzeit, bei allen Galerien, Blogs und CMS (es sei denn, es werden Tools zur Steuerung des Veröffentlichungszeitraumes  eingesetzt). Pardon me, das sortiere ich unter Marketing Geblubber für die Zielgruppe „von nix ne Ahnung“, bei allen Anderen mag es für ein bisschen Heiterkeit gut sein.
Nachtrag: Der Support von PicDrop wies mich inzwischen darauf hin, daß „Live-“ bedeutet, daß Seitenänderungen per Ajax realisiert wird, Änderungen im Seiteninhalt also sofort und ohne eigene Aktion des Benutzers ( z.B. die Funktionstaste F5 im Browser zum Neuladen der Seite) zu sehen sind. Unbestreitbar ein Zielgruppen orientiertes Komfortmerkmal, das Piwigo nicht bietet; Automatik zu Schaltgetriebe sozusagen.

Drag&Drop-Upload
Lade Bilder direkt im Browser per Drag’n’Drop oder über Deinen FTP-Zugang hoch!

Nein, Piwigo hat nur den Browser basierenden Upload, der bei PicDrop fälschlicherweise als FTP Upload bezeichnet wird. FTP hat mit Upload per Browser wenig gemein und ist aus Sicherheitsgründen bei Hostingdiensten oft nicht möglich. Die selbst gehostete Piwigo Galerie erlaubt natürlich auch den Import per FTP. Und PicDrop auch … man muß seinen FTP Programm nur richtig konfigurieren, mein Fehler (ein Fipptheler)

Flexible Galerien
Du bestimmst jederzeit die Funktionen Deiner einzelnen Galerien. Gib jedem Kunden damit exakt das, was er wirklich benötigt.

Da Piwigo eine moderne Multi User Galerie ist, liegen die Möglichkeiten der Benutzersteuerung weit über dem, was in PicDrop möglich ist, inwieweit man dafür Bedarf hat, ist natürlich ein ganz anderes Thema.

Bildkommentare
Deine Kunden können Kommentare zu einzelnen Bildern abgeben und sich mit Dir austauschen.

Das Kommentarsystem von Piwigo ist in der Grundeinstellung ähnlich schlicht, wie das von PicDrop, lässt sich aber durch Plugins in Funktionalität und Aussehen erweitern, wobei hier ein selbst gehostetes Piwigo die Nase vorn hat, da dafür generell mehr Plugins zur Verfügung stehen.

Highres- und ZIP-Downloads
Biete Deinen Kunden komfortable ZIP-Downloads aller Bilder oder einer gezielten Bildauswahl an. Natürlich auch in Highres!

Es gibt eine Basisfunktionalität hinsichtlich Downloads, aber um auf das Niveau von PicDrop zu kommen, müssen zwingend ein paar Plugins her, das sind in diesem Falle : Community, Batch Downloader und User Collection, wobei diese Kombination dann wieder mehr Möglichkeiten bietet, als PicDrop.

Bildauswahlen erstellen
Kunden können Bildauswahlen erstellen, diese speichern, Dir zuschicken oder gezielt herunterladen.

Diese Funktionalität wird durch die schon erwähnten Plugins Community, Batch Downloader und User Collection zur Verfügung gestellt. Wobei Piwigo da nicht ganz so intuitiv bedienbar ist, da es keine vergleichbare Selektion über Farb Buttons gibt, sondern man in dieser Hinsicht einen Workarround über Schlagworte/Tags erstellen muß. Zusätzlich ist eine Selektion über Bildmarkierung und die normale Suchmaske möglich (Wörter=Dateinamen, Bildbeschreibung; Autor, Datumstyp, Datumsbereich, Alben und Tags).

Unsichtbar für Deine Kunden
Nutze PicDrop unter Deiner eigenen Adresse, Deinem Namen und mit Deinen Logo! Wir bleiben für Deine Kunden unsichtbar.

Nein, also nicht automatisch. Zur Umleitung/Weiterleitung gibt es kein Webpack wie bei PicDrop, das muss man selber machen (Vorlagen dazu gibt es im WWW)

Einfache Bedienung und Verwaltung
PicDrop ist so einfach wie nur möglich, ganz ohne unsinnigen Feature. Für Dich und Deine Kunden.

Für Kunden/Besucher, relativ einfach. Für den Administrator, nachdem er alles installiert und getestet hat, auch. Nein, es wird nie so leicht/einfach sein, wie bei PicDrop, dazu sind die Unterschiede in den Möglichkeiten zu groß. Alleine die Konfiguration der Grundeinstellungen enthält mehrere Dutzend Kästchen zum abhaken und Eingabefelder für Wasserzeichen, Bildgrößen, Header (Text und Logo). Um den beliebten Auto Vergleich zu bemühen: Picdrop = Cabrio mit Automatik Getriebe, Piwigo = Mehrachsiger Allrad mit Sperrdifferentialen und vielen Hebeln und Knöpfen für den Fahrer.

Einfache Uploads direkt aus Lightroom
Lade Deine Bilder direkt aus Lightroom hoch! Ganz ohne Umwege. Mit unserem PicDrop-Lightroom-Plugin.

Nicht nativ, aber ein Plugin (15,-) für Lightroom gibt es natürlich. Die Liste der Importer ist lang: Piwigo für iOS (iPhone, iPad, iPod Touch), Piwigo für Android, Shotwell und DigiKam (Linux), pLoader (Win, Linux, Mac), iPhoto und Aperture (Mac) und ReGalAndroid.

Keine Limits
Bei uns gibt es kein Limit bei der Anzahl oder Größe Deiner Bilder, Deiner Kunden, Downloads etc.!

Bei Piwigo natürlich auch nicht, da gibt es zusätzlich auch kein Limit hinsichtlich Anzahl der Galerien oder zusätzlicher Admin/Mitarbeiter) Accounts. Bei eigenem Webspace und selbst gehostetem Piwigo wird das Volumen natürlich durch die Größe des Webspace beschränkt. Als Messlatte hinsichtlich deren Kosten verweise ich auf meinen Provider all-inkl , dessen kleinstes Paket für 4,95€ mit  50GB/Traffic FLAT , schon einen guten Einstieg bietet.

Mobile- und Retina-Ansicht
Perfekte Bilder auch auf Smartphones, Tables und den Retina-Displays von Apple! Deine Bilddaten sehen immer gut aus.

Ja, über ein spezielles Template und ein Plugin zur automatischen Aktivierung des Templates. Alternativ kann man Besuchern auch ein Menü zum Templatewechsel anbieten.

In Lightroom filtern
Filtere die PicDrop-Bildauswahlen Deiner Kunden direkt in Lightroom u.a. – kein langes Heraussuchen mehr!

Ja, mit User Collection kann man auch Dateilisten der Zusammenstellung generieren lassen.

Uploads durch Dritte
Erlaube Deinen Kunden, den Kollegen, Agenturen etc., selber Bilder oder z.B. auch Model Sed Cards oder Location-PDFs hochzuladen.

Upload von Bildern über die mageren Basisfunktionen hinaus wird über die  Plugins Community, und User Collection geregelt. Model Sed Cards müsste man separat und manuell über das Plugin Additional Pages organisieren, eine Lösung für PDF Dateien gibt es nur für das selbst gehostete Piwigo.

Benachrichtigungen
Du hast jederzeit den Überblick, was Deine Kunden tun: ihre Besuche, Downloads und vieles mehr werden Dir angezeigt!

Das fällt jetzt in die Basisfunktionen einer Galerie, in der Hinsicht ist Piwigo gut ausgestattet, bei Bedarf lässt sich auch noch google analytics, oder, Datenschutzrechtlich unbedenklicher, Piwik einbinden.

Unterschiedlichste Dateiformate
PicDrop beherrscht alle wichtigen Dateiformate, die Du benötigst: JPG, TIFF, PDF, sogar einige RAW-Formate!

Piwigo ist eine Galerie, also nur die üblichen Bildformate des WWW wie JPG, GIF, BMP … Mediadateien wie Video und Musik nur über Plugins, RAW Dateien gar nicht. Wobei für die doch eher seltenen Fälle, in denen ein Fotograf auch seine RAWs aus der Hand gibt, ein entsprechender Downloadlink in dem Beschreibungsfeld des Bildes machbar wäre. Die Relevanz dieses Features muss jeder für seine Bedürfnisse selber wichten.

Casting und Location-Scouting
Nutze Dein PicDrop während Produktionen zur einfachen Verwaltung und Abstimmung von Models und Locations!

Wie ist das jetzt gemeint? Über den Austausches innerhalb der Kommentarfunktion und einer Teilen Funktion hinaus, sehe ich bei PicDrop eigentlich nichts. Dagegen steht dann nicht nur die umfangreichere Kommentarfunktion von Piwigo sondern auch noch die Möglichkeit zusätzliche Textseiten und, wer es mag, ein Blog und Gästebuch einzubinden.

Downloads verhindern
Auf Wunsch kannst Du Downloads komplett deaktivieren und verhindern.

Das ist doch mal ein Schmunzeln wert. Die Frage „Wie verhindere ich den Download meiner Bilder“ ist eine der Beliebtesten in Support Foren und die Antwort ganz leicht. Es gibt keine Möglichkeit den Download eines Bildes, das ein Betrachter in seinem Browser sieht, zu verhindern! Er muß dafür nicht mal sonderlich kompetent sein, er benutzt heutzutage einfach eines der zahllosen Screenshot Programme. Was wiederum die Zugriffskontrolle auf Alben betrifft (wenn man ein Bild nicht sehen kann, kann man auch keinen Screenshot davon machen), glänzt Piwigo natürlich wieder mit den vielfältigen Möglichkeiten die Sichtbarkeit und den Zugriff auf Alben nach Benutzern und/oder Benutzergruppen zu regeln.

Hinsichtlich Ökostrom und deutschem Datenschutz kann ich keine Aussage machen, wobei OVH (der Hoster von Piwigo.com) zwar mit seinen Umweltschutzmassnahmen wirbt, aber in Frankreich wird ein Großteil des Stromes in Kernkraftwerken produziert.

Bald bei PicDrop:
Kunden-Login auf Deiner Website
Mehr Layouts und Bildsortierungen
Galerien in Blogs und Co. einbinden (“Embedding”)
Anzeige mehrseitiger PDFs
Sharing via Facebook & Co.
Dein Branding (Dein Logo etc.)

Abgesehen von der Anzeige von PDF, ist der Rest kein Thema für Piwigo. Kunden-Login (also eingetragene Benutzer), gehört zu den Basiseigenschaften einer Mehrbenutzer Galerie. Mehr Layouts? Hier nur mal die Template (Layout Auswahl) von Piwigo.com:

templates_com

Da man eigenes CSS über das Plugin LocalFiles Editor einbinden kann, lässt sich das noch auf eigene Bedürfnisse oder Ansprüche feintunen, die Einbindung eines Logos wird schon in der Grundkonfiguration über die Optionen geregelt. Ein selbst gehostetes Piwigo bietet auch hier ein bisschen mehr Auswahl an Templates:

templat1_org template2_org

und dann ist der LocalFiles Editor nicht nur auf CSS eingeschränkt, sondern erlaubt auch direkte Manipulationen an Template und Konfigurationsdateien, die beim Hosting Service Piwigo.com aus Sicherheitsgründen gesperrt sind.
Sharing vie Facebook & Co? Klar, Plugins bis hin zur automatischen Anmeldung über den jeweiligen Account bei Facebook, Google, Instagram, LinkedIn, Tumblr, Twitter, Windows Live, Yahoo, OpenID, Flickr, Steam Community, WordPress, Persona, um sie mal Alle zu nennen.
Zum Embedding sage ich erst was, wenn die Lösung vorgestellt wird. Sie wird sicher elegant einfach in der Handhabung sein, wie das Webkit, aber in der technischen Umsetzung sich wenig von dem Unterscheiden, was man so als Websitebetreiber schon kennt, Aufruf über Link oder in einem IFrame. Lass ich mich mal überraschen

Zum Abschluß kann ich jetzt keinen „Sieger“ küren, die Funktionalität die PicDrop bietet lässt sich größtenteils auch mit Piwigo realsieren, die Wege zum Ziel sind aber unterschiedlich, der Aufwand um hinzukommen sowieso. Vom nackten Preis/Leistungs Verhältnis würde ich persönlich, wenn ich einen Hosting Service in Anspruch nehmen wollte/müsste, wohl Piwigo.com bevorzugen. Aber das kann nur jeder Einzelne auf der Grundlage seiner Ansprüche für sich selbst beantworten. PicDrop arbeitet ohne größeren Einarbeitungsaufwand „out of the box“ und wird sicher noch einige Erweiterungen bekommen. Piwigo dagegen bedarf einiges an Einarbeitungszeit, was bei dem deutlich größeren Funktionsumfang auch logisch sein sollte. Man kann es nicht nur zur Event/Projektorientierten Kommunikation mit dem Kunden benutzen, man kann auch sein Portfolio darin unterbringen, inkl. (schlichtem) Blog und eigenständigen Artikel (komfortabel mit einem wysiwyg Editor), wobei die Auswahl an  Plugins und  Templates für ein selbst gehostetes Piwigo größer ist.

Zum Abschluß noch eine Randbemerkung zu meiner Person. Ich benutze Piwigo seit ca 2004/2005, gehöre also zur Gruppe „erfahrenen Benutzer“ und bin Moderator des deutschsprachigen Piwigo Forum.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.